Landeshauptstadt Dresden

Beigeordneter fuer Kultur

Unser Zeichen 41

Datum 05.11.2003

 

Herrn

Anton Radoslavov Ratschev

Tschiprovzi 18

BG-7006 Rustschuk

Bulgarien

 

Sehr geehrter Herr Ratschev,

 

der Oberbuergermeister der Landeshauptstadt Dresden, Herr Ingolf Rossberg, laesst Ihnen durch mich fuer Ihr Schreiben vom 13.10.2003 sowie fuer das beigefuegte Informationsmaterial ueber Ihren Landsmann, den bulgarischen Schriftsteller und Philosophen Dr.Janko Janeff, danken.

 

Gleich eingangs kann ich jedoch nicht verhehlen, dass ich den auszugsweise uebersetzten Text aus dem 1939 in Leipzig erscheinen Werk Janeffs “Daemonie des Jahrhunderts” mit grossem Befremden gelesen habe. Angesichts der darin veroeffentlichen philosophischen Thesen, die weitestgehend mit grundlegenden Praemissen der NS-Ideologie uebereinstimmen, besteht fuer die Landeshauptstadt Dresden absolut kein Anlass fuer eine oeffentliche Ehrung Janko Janeffs. Als dieser in der Dresdener Bombennacht des 13./14. Februar 1945 zusammen mit mehr als 35.000 Menschen auf grausame Weise Starb, fiel er dem seinem Weltbild immanenten “Gesetz der Staerke”, das letztlich in der Barbarei muendete, selbst zum Opfer. Hierin kann man durchaus eine gewisse Tragik sehen.

 

Wie die meisten der bei den Luftangriffen Getoeteten wurde auch Dr.Janko Janeff auf dem Dresdener Heidefriedhof bestattet, wo ein weithin sichtbarer Gedenkstein an die vielen Opfer des Bombardements erinnert. Hier sowie in den Kirchen der Stadt gedenkt Dresden alljahrlich am 13.Februar seiner Toten.

 

Zu Ihrer Information liegen diesem Schreiben Kopien des Bestattungsscheines und der Sterbeurkunde Janko Janeffs bei. Hieraus ist ersichtlich, dass er sich zuletzt im Hotel “Trompeterscloesschen” aufgehalten haben muss, dass im Stadtzentrum am Dippoldiswalder Platz lag und das demzufolge von den furchtbaren Auswirkungen des infolge Sauerstoffmangels wuetenden Feuersturms unmittelbar betroffen war.

 

Auf die von Ihnen erwaehnte, 1942 in Dresden stattgefundene Europa-Konferenz, an der Janeff teilgenommen haben soll, weist lediglich eine knappe Meldung der damaligen Tagespresse hin, in der Ende November 1942 vom “II.Ferienkurs des hiesigen Mitteleuropa-Instituts fuer Studenten der Technischen Hochschule Dresden” berichtet wird. Allerdings werden weder Referenten noch andere Teilnehmer der Veranstaltung namentlich erwaehnt.

 

Wie eine diesbezuegliche Rueckfrage beim Leiter des Archivs der jetzigen Technischen Universitaet Dresden, Herrn Lienert, ergab, sind dort noch Unterlagen ueber die zwischen den beiden Weltkriegen immatrikulieren bulgarischen Studenten erhalten geblieben. Er versprach, sobald es ihm zeitlich moeglich sei, hinsichtlich Janko Janeffs recherchieren zu wollen. Zu diesem Zweck haben wir die uns vorliegenden Informationen dem Archiv der Technischen Universitaet uebermittelt und bitten Sie, von dort weitere Nachricht zu erwarten.

 

Mit freundlichen Gruessen

 

in Vertretung

 

Dr.Vogel

Erster Buergermeister

 

Anlagen:

 

Kennzettel fuer einen Toten ¹05374

Ablichtung aus dem Sterbebuch des Standesamts Dresden, Seite 2302

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